In unserer Sammlung smarter Testgeräte befinden sich auch 3 Fitness-Tracker der Marken Xiaomi, Huawei und Polywell. Alle drei Geräte wurden schon getestet und wieder zurückgegeben. In allen drei Fällen war die Einrichtung des Trackers bzw. der dazugehörigen Apps nicht gerade einfach. So waren alle Bedienungsanleitungen nur in Englisch und Chinesisch, teilweise sehr klein geschrieben und nur mäßig bebildert.

Im Fall einer unserer Testerinnen, Frau H., haben wir uns ein Anleitungsvideo auf Youtube angesehen, wodurch wir einen ersten guten Überblick über das Gerät und seine Bedienung erhielten. Hiernach waren wir auch in der Lage, uns die zugehörige App aus dem Play Store zu laden. Jede dieser Apps verlangt erst einmal danach, die Datenschutzbestimmung zur Kenntnis zu nehmen und zuzustimmen. Ohne Zustimmung ist es zwar möglich den Fitness-Tracker zu nutzen, allerdings ohne ihn mit dem Smartphone zu koppeln. Das bedeutet, man kann dann immer nur die aktuellen Werte wie Schritte, ggf. Puls und zurückgelegte Distanz sowie die Uhrzeit ablesen und zwar nur am Tracker selbst und nicht am Smartphone.

Der Reiz eines solchen Gerätes liegt jedoch auch darin, dass man seine Werte, Fortschritte oder Veränderungen seiner Daten über einen längeren Zeitraum erfassen und Smartphone mit geöffneter App. Man sieht wie die Schlafphasen in der App abgebildet werden.verfolgen kann. So zeigt einem die App nicht nur die Tageswerte von heute an, sondern auch die von gestern, der letzten Woche, des letzten Monats und sogar des ganzen letzten Jahres. So bekommt man einen schönen Überblick über seine Aktivitäten und Vitalwerte.

Außerdem kann man mit den Apps der Fitness-Tracker noch sehr viel mehr Funktionen abrufen. Jedes unserer Geräte bietet ganz unterschiedliche Funktionen an. Alle gemeinsam verfügen sie aber über einen Aktivitätsalarm. Das heißt, bei längerer Inaktivität erhält man vom Gerät einen Impuls, sich wieder etwas zu bewegen. Außerdem zeigen alle Geräte den Kalorienverbrauch an, analysieren die Schlafphase, haben eine Weckerfunktion und sind wasserdicht bzw. spritzwassergeschützt. Darüber hinaus geben einem alle drei Geräte einen Hinweis, sollte man eine Nachricht oder einen Anruf auf seinem Smartphone erhalten haben. Alle diese und weitere Funktionen kann man ganz nach seinen individuellen Wünschen und Bedarfen in den Einstellungen der jeweiligen Apps vornehmen.

Handgelenk mit Fitness-TrackerNachdem Fr. H. den Datenschutzbestimmungen zugestimmt hatte, wurde sie in der App gebeten, ihren Fitness-Tracker aus einer Liste auszuwählen. Leider war ihr Tracker jedoch nicht in der Liste zu finden. In diesem Fall wies die App darauf hin, dass man sich zusätzlich die Huawei Health App herunterladen sollte, was wir auch taten. Nach Zustimmung der dortigen Datenschutzbestimmungen und einer Registrierung – Fr. H. musste sich ein Benutzerkonto einrichten – fand sie ihren Tracker aufgeführt und nun war es möglich, diesen über Bluetooth mit ihrem Smartphone zu verbinden.

Die Einrichtung eines Benutzerkontos ist im Übrigen bei allen Geräten üblich. Die Bezeichnung Konto bedeutet allerdings nicht, dass es etwas kostet. Es heißt vielmehr, dass man neben seiner Email-Adresse, seinen Namen – den richtigen oder einen Spitznamen – und seine Daten wie Geschlecht, Gewicht, Größe und Alter angeben soll.

Nachdem der Fitness-Tracker von Fr. H. mit ihrem Smartphone verbunden war, widmeten wir uns den Einstellungen, die man ganz individuell in der App vornehmen kann. Hier war es Fr. H. wichtig, dass der Fitness-Tracker sie weckt, dass sie Aktivitätshinweise erhält und dass sie eine Benachrichtigung bekommt, wenn ein Anruf oder eine Nachricht auf ihrem Smartphone eingegangen ist.

Insgesamt hat die Einrichtung des Fitness-Trackers recht lange gedauert und war nicht gerade barrierearm bzw. um mit Fr. H´s Worten zu sprechen, die auf meine Frage, wie sie die Einrichtung des Geräts beurteilen würde, antwortete: „Ohne Hilfe wäre ich aufgeschmissen!“

Im Anschluss der 4-wöchigen Testphase jedoch war das schon fast wieder vergessen und Fr. H. hatte im Abschlussgespräch fast ausschließlich positives zu berichten. Sie fand es sehr angenehm, sich mit dem Fitness-Tracker wecken zu lassen. Dies sei ein wesentlich sanfteres Wecken als das eines normalen Weckers. Dass sie sowohl Aktivitätshinweise als auch Hinweise bei eingehenden Anrufen und Nachrichten auf ihrem Smartphone erhalten hat, empfand sie ebenfalls als sehr gut. Dass der Fitness-Tracker gleichzeitig als Uhr fungierte und sie ihn beim Duschen nicht abnehmen musste, waren weitere positive Aspekte. Enttäuscht war sie darüber, dass ihr Fitness-Tracker keine Funktion zur Messung der Herzfrequenz beinhaltete.

Smartphone mit geöffneter App. Man sieht die Startseite der App: Schrittanzeige, Schlaf, Gewicht.Hauptsächlich wollte Fr. H. das Gerät allerdings dafür haben, ihre Schritte zu zählen. Das mag im ersten Moment merkwürdig erscheinen, denn Fr. H. hat eine Tetraspastik Lähmung und ist die meiste Zeit auf einen Rollstuhl angewiesen. Im Haus benutzt sie einen einfachen Rolli, mit dem sie sich fortbewegt, indem sie ihn mit den Füßen anschiebt. Für ihre Arbeitsstelle oder für Ausflüge in die Stadt, besitzt sie einen Elektro Rolli mit Joystick Bedienung. Um sich trotzdem fit zu halten und ihre Muskeln zu trainieren, absolviert sie aber täglich ein Bewegungstraining. Dafür hat sie ein Gehgestell, dass sie dabei unterstützt, das Gleichgewicht während des Gehens aufrechtzuerhalten. Mit diesem Gerät dreht sie ihre Runden im Haus, in Begleitung eines Mitarbeitenden ist ein Spaziergang auch draußen möglich.

Smartphone mit geöffneter App. Man sieht die Anzeige der Schritt in Diagrammform. Es wird angezeigt, wieviel Schritt zu welcher Tageszeit zurück gelegt wurden.Und genau für dieses Training hat sie sich einen Fitness-Tracker zum Testen gewünscht. Sie war begeistert, dass sie mithilfe des Fitness-Trackers einen Überblick darüber hat, wieviel Schritte sie gegangen ist. Auf die Frage, ob und warum sie mit dem Gerät zufrieden ist, antwortete sie: „Es erleichtert vieles und macht unabhängig. Es weckt mich angenehm und motiviert einen, sich zu bewegen. Es ist ein Ansporn und gleichzeitig entspannt es mich. Denn ich sehe, dass ich was gemacht habe. Dadurch lebe ich bewusster, selbstbestimmend“

Eine gute Sichtweise und ein gutes Resultat, wie ich meine. Denn die Gesundheit eines Menschen ist von sehr viel mehr abhängig als von zurückgelegten Schritten, dem täglichen Kalorienverbrauch und der Herzfrequenz. Insofern ist es meines Erachtens sinnvoll, einen Fitness-Tracker als Motivationshilfe zu betrachten, der einem einen guten Überblick über das eigene Bewegungsverhalten geben und dabei helfen kann, dieses gegebenenfalls zu verändern.

Was man aber auch nicht aus den Augen verlieren sollte ist, dass es sich bei Gesundheitsdaten um doch sehr sensible Daten handelt. Ein Augenmerk sollte man aus diesem Grund auf jeden Fall auch auf die Datenschutz- und Sicherheitsmerkmale der einzelnen Anbieter und ihrer Apps werfen.

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